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zum 70-jährigen Jubiläum des TV Lenggries der Süddeutsche Zeitung am 8. August 1980 von Sepp Resenberger
Gestiftetes Holzreck als Startkapital R?ckblick auf 70 j?hrige Vereinsgeschichte der Lenggrieser Turner: Jubil?umsfeier am Sonntag im Festzelt / Georg Simson seit zwei Jahrzehnten Vorsitzender Lenggries- Das 70j?hrige Gr?ndungsjubil?um feiert der Turnverein Lenggries am Sonntagabend im Festzelt. F?r die Mitglieder des Vereins und f?r alle, die den Turnern auf irgendwelche Weise verbunden sind, ist dies ein Anlass, R?ckschau auf eine bewegte Vereinsgeschichte zu halten und zugleich eine Gelegenheit, dem Turnverein alles Gute f?r die Zukunft zu w?nschen. Wir wollten das Vereinsjubil?um nicht vor?bergehen lassen, ohne die drei Protokollb?cher des Vereins durchzubl?ttern und die interessantesten Begebenheiten dieser sieben Jahrzehnte zu schildern. Beginnen wir also mit der ersten Eintragung. Sie lautet:? Guth Heil! In den ersten Tagen des Monats Juni 1910 lie? der Friseurgehilfe Xaver Lasser unter den Burschen von Lenggries ein Zirkular herumgehen gegen eigenh?ndige Unterschrift zwecks Gr?ndung eines Turnvereins. Es wurde das Zirkular sogleich von 17 Burschen unterschrieben und die erste Versammlung am 12. Juni in der Gastwirtschaft ?Zur Traube? abgehalten. Jeder war sehr erfreut ?ber die Tatsache, hier einen Turnverein mitgr?nden helfen zu k?nnen.? Die n?chste Versammlung fand bereits eine Woche sp?ter statt. Im Protokoll hei?t es dazu: ?Zur gro?en Freude war die Mitgliederzahl wieder gestiegen.? Die erste gew?hlte Vorstandschaft wies folgende Namen auf: Vorstand Xaver Lasser, Schriftwart, Anton Fischer, S?ckelwart Peter Wagner, Turnwart Martin Schwammberger, Zeugwart Jakob Durchdenwald. Die Mitgliederliste wies weitere 20 Namen auf. Die n?chste Eintragung im Protokollbuch besagte, dass im Garten der Traubenwirtschaft ein h?lzernes Reck aufgestellt wurde, ?welches wir unentgeltlich von Herrn Schalch zur Verf?gung gestellt bekamen, mit der Begr?ndung, falls sich sp?ter der Turnverein wieder aufl?sen sollte, er Eigent?mer des Reckes bleibt?. Bald erwies sich wegen des starken Mitgliederzuwachses das Vereinslokal als zu klein, und der Verein siedelt ins Gasthaus ?Zur Post? ?ber. Au?erdem scheint man auch mit dem h?lzernen Turnger?t nicht mehr zufrieden gewesen zu sein, denn noch im Juli wurde ?ein Salonreck zum Preis von 70 Mark und eine Matte zum Preis von 30 Mark gekauft?. Im August kam ein ?eiserner? Barren dazu, der 117 Mark kostete und gegen Ende des Jahres schafft sich der r?hrige Turnverein als viertes Ger?t f?r 129,50 Mark ein Pferd an. Selbstverst?ndlich kam, wie?s bei den Turnern ?blich war, auch das gesellschaftliche Leben nicht zu kurz. Im Protokollbuch hei?t es dazu:? Am 13. November wurde das Abturnen nebst Tanzkr?nzchen abgehalten, bei dem der Einakter ?Hausschl?ssel oder kaltgestellt? nebst einigen Gruppenbildern der Z?glinge aufgef?hrt wurde, womit wir einen gro?en Erfolg erzielten. Von den ?Z?glingen? erhielt jeder als Preis einen Eichenlaubkranz, und mit besonderer Freude vermerkte der Chronist, dass auch der Nachbarverein Bad T?lz mit drei Wagen zum Fest der Turner gekommen war. Im Januar 1912 verzeichnete der Turnverein bereits 72 Mitglieder, ein paar von ihnen hatten schon bei ausw?rtigen Wettbewerben ansehnliche Preise gewonnen. Die Finanzlage des Vereins hatte sich gut entwickelt. Man stand nicht nur schuldenfrei da, sondern konnte es sich sogar leisten, dem Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Lenggries auf dessen Ersuchen 20 Mark f?r eine neue Fahne zu stiften. Von der Mitwirkung an der Fahnenweihe der Trachtler hielten die Turner allerdings weniger, denn im Protokollbuch wurde vermerkt: ?Die eingeladenen Turner sind am Festzug vollz?hlig ? nicht ? erschienen.? Das schien aber das beiderseits gute Verh?ltnis nicht getr?bt zu haben, denn schon zwei Wochen sp?ter hielt der Trachtenverein ein Waldfest , an dem die aktiven Turner vollz?hlig teilnahmen und im Laufe des Nachmittags ein Faustballspiel und ein ?Wettlaufen mit Hindernissen? durchf?hrten. Der Verein entwickelte sich weiter gut, doch dann kam das Jahr 1914, und unter dem 2. August ist im Protokoll zu lesen: ?Die Monatsversammlung wurde nicht abgehalten, da pl?tzlich der Krieg ausbrach und schon viele unserer Mitglieder fort mussten.? Und zwei Seiten weiter war zu lesen, dass am 28. August bei einem Seegefecht vor Helgoland der Kreuzer ?Mainz? gesunken sei, auf welchem unser liebenswerter Herr Vorstand , Josef Schalch, stationiert war?. Bis zum Kriegsende fanden kaum mehr Zusammenk?nfte statt. Ab 1916 finden sich im Protokollbuch auch keine Eintragungen mehr. Die n?chste erfolgte erst wieder 1919, darin hie? es, dass der Turnverein zwei Jahre zuvor aufgel?st worden war und nun wieder neu gegr?ndet wurde. Auf der Generalversammlung gedachte man der sieben gefallenen Mitglieder, w?hlte eine neue Vorstandschaft und bald schon herrschte wieder ein reges Vereinsleben. Am 9. Oktober 1920 wurde das zehnte Gr?ndungsfest gefeiert. Der Hauptredner hielt eine markige Ansprache, ?ber die es in der Chronik hei?t: ?Dass die Worte des Festredners auf die G?ste nicht ohne Wirkung blieb, konnte man an jedermanns Gesicht erkennen. Doch als wieder Musikkl?nge ert?nten....., da kehrte die alte Stimmung wieder zur?ck.? Inzwischen war im Turnverein auch eine Fu?ballabteilung gegr?ndet worden, aber sie hatte bald schwere Sorgen: Im M?rz 1923 wurde ihr von der Hohenburger Gurtsverwaltung mitgeteilt, dass der Platz bis zum 1. April ger?umt werden m?sse. Der Verein wandte sich an die Gemeinde um die ?berlassung eines Spielfeldes, aber bereits in der Versammlung am 26. Mai 1923 wurde bekannt gegeben, dass sich die Fu?ballabteilung aufgel?st hat. Alle Ger?te und das Barverm?gen fiel dem Turnverein zu. Nachdem die Inflation gl?cklich ?berwunden war, ging es beim Turnverein wieder mit dem alten Schwung weiter. Der H?hepunkt des Jahres1924 war das Gauturnfest in Lenggries, bei dem auch die neue Fahne geweiht wurde. Bemerkenswert dabei war der Prolog der Fahnenbraut. Sie gr??te zuerst die Heimat und sagte dann: ?Zum zweiten gr?? ich dort die Fahne, die im Prunkgewand sich schon zum ersten Fuge spannt. Hier steht sie frank und frei im Wind ? als wie ein echtes Berglerkind.? Im Jahre 1932 hatte der Verein eine Krise zu ?berstehen: Der Vorstand legte sein Amt nieder und erst in einer au?erordentlichen Mitgliederversammlung konnte die Misere ?berwunden werden. Hatte man bis Anfang 1933 die Versammlungen jeweils mit dem Turnergru? ?Gut Heil? er?ffnet und beschlossen, so ?nderte sich das sehr schnell. In der Turnhalle hatte man ein Bild ?des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler? anzubringen, ein ?Pflichtturnjahr? wurde eingef?hrt. Neuaufnahmen in den Verein wurden ?feierlich durch die Fahne? vollzogen, und die Versammlung Ende Juli 1933 endete mit einem dreifachen ?Sieg Heil?. Der alte Turngau verfiel Anfang ? 34 der Aufl?sung, er wurde in Gau ?Hochland? umbenannt. Die letzte Eintragung im zweiten Protokollbuch wurde am 9. November 1936 get?tigt. Das dritte Buch wurde am 27. Januar 1952 begonnen. Dazwischen lagen der Krieg und die schwere Nachkriegszeit. In der ersten Versammlung nach dem Krieg nahmen 45 Mitglieder teil. B?rgermeister Taubenberger sagte dem Verein seine Unterst?tzung zu.
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